17.05.2024

Bald schlägt die Stunde der Wahrheit für das traditionelle Kabel-TV: Das Privileg der Nebenkostenumlage hat seine letzten sechs Wochen begonnen. Nach dem 30. Juni 2024 ist es für Mieter nicht mehr möglich, die Kabelfernsehgebühren über die Betriebskosten abzurechnen. Ein direkter Vertragsabschluss mit dem Provider wird unerlässlich, es sei denn, man entscheidet sich für eine moderne Alternative wie Streaming-TV. Anbieter wie Vodafone haben auf der Branchenmesse ANGA COM in Köln diskutiert, ob mit einer Einstellung der Signalübertragung just inmitten der Fußball-EM zu rechnen ist.

Droht Kabelfernseh-Zuschauern eine Abschaltung zur Fußball-EM?

Mögliche Unterbrechung des Kabel-TV-Signals durch Vodafone während der EM

Nach Aussage von Andreas Fuchs von Vodafone behält sich der Telekommunikationsriese vor, zur Fußball-EM den Kabelanschluss für jene Kunden zu deaktivieren, die über keinen laufenden Vertrag verfügen. Die Komplexität der Situation zeigt sich jedoch bei der Durchführbarkeit einer solchen Abschaltung, denn das Erreichen jedes einzelnen Kunden stellt eine Herausforderung dar, insbesondere wenn es um den physischen Zugang zu deren Wohnräumen geht. Vodafone arbeitet bereits seit letztem Jahr proaktiv daran, Kundenbeziehungen zu aktualisieren und auf den neuesten Vertragsstand zu bringen. Trotzdem gibt es viele, die noch informiert und beraten werden müssen – hier setzen die Vodafone-Vertreter vornehmlich auf den persönlichen Kontakt an der Haustür.

Kulante Übergangsphase: Tele Columbus zögert endgültige Kabelabschaltung hinaus

Tele Columbus, der Hauptakteur hinter der Kabelmarke PŸUR, muss den buchhalterischen Wechsel von über eine Million Kabelkunden weg von der Vermieter-basierten Zahlung hin zur Direktabrechnung meistern, einhergehend mit dem Ende des Nebenkostenprivilegs. Christian Biechteler aus dem Vorstandsteam räumt ein, dass der Übergang den Kundenzuspruch negativ beeinflussen könnte, zum Teil verschärft durch die aggressive Werbung von Wettbewerbern wie MagentaTV. Dennoch bleibt er optimistisch, dass das Kerngeschäft der Kabelanschlüsse Anklang finden wird und das Wachstum in anderen Dienstleistungsbereichen wie Internet und Telefon stetig anhält.

Während die Überleitung in Zusammenarbeit mit der Immobilienbranche relativ glatt verläuft, beabsichtigt Tele Columbus, eine Kulanzregelung für Kunden zu implementieren, die noch keinen direkten Vertrag haben, bevor die endgültige Trennung der Kabelverbindung ansteht. Mit dem geplanten Nachverkauf und einem Team von 200 Handwerkern scheint das Unternehmen gut aufgestellt, um die Abschaltung umzusetzen.

Reaktionspläne von Willy.tel und M-net für die Phase ab Juli

Der lokale Anbieter Willy.tel in Hamburg stellt klar: Kommt es auch nach wiederholten Benachrichtigungen zu keiner Reaktion, wird der TV-Anschluss der betreffenden Kunden im Juli abgeschaltet, so das Unternehmen unter Leitung von Bernd Thielk. Doch die Zahl der Techniker, die für die tatsächliche Durchführung verfügbar sind, ist gering. Bei veralteten Anlagensystemen mit gemeinsamem Anschluss kann nicht ohne Weiteres eine Abschaltung erfolgen.

M-net aus der bayrischen Landeshauptstadt hofft, dass die andauernden Informationen über eine mögliche Deaktivierung des Dienstes bis Juli die Kunden erreichen wird. Manager Wolfgang Wallauer betont, dass M-net auf die Bezahlung für seine Dienstleistungen angewiesen ist – eine notwendige Bedingung für den Fortbestand des Unternehmens und seiner Angebote.

Branchenvertreter der Wohnungswirtschaft erwarten Nachsicht von TV-Kabelanbietern

Die Zeit bis zum Ende des Nebenkostenprivilegs wird vom GdW Bundesverband genutzt, um die Aufmerksamkeit und Kenntnis der Mieter zu schärfen, erklärt Claus Wedemeier. Von den Kabelbetreibern erwartet der Verband ein kulantes Verhalten und weitere Kundenakquise. Angesichts der geplanten Glasfaserprojekte mit der Immobilienbranche sollen die TV-Anschlüsse während der Fußball-EM nicht getrennt werden, um die Beziehungen nicht zu belasten.