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01.08.2024
In Deutschland sind bis jetzt nur 190 Dörfer mit einer Einwohnerzahl unter 3.000 komplett mit Glasfaser ausgestattet. Schleswig-Holstein sticht hierbei hervor, da 121 dieser Dörfer in diesem Bundesland liegen. Eine Marktanalyse weist darauf hin, dass der Hauptfaktor für den großen Vorsprung von Schleswig-Holstein vor allem in der frühen und beständigen Einigung aller Beteiligten auf eine flächendeckende Glasfaser-Infrastruktur liegt, ohne dabei auf konkrete Bandbreitenziele zu bestehen.
Priorität auf flächendeckende Glasfasernetzwerke im Norden: Bandbreite tritt in den Hintergrund
Nach dem führenden Schleswig-Holstein reiht sich Niedersachsen mit 28 voll versorgten kleinen Dörfern auf dem zweiten Platz ein. Auch bei den Gesamtwerten zeigen beide Bundesländer starke Ergebnisse: Schleswig-Holstein erreicht eine Glasfaserabdeckung (FTTH/B) von 59 Prozent und Niedersachsen 54 Prozent, wobei sie die bestvernetzten Flächenländer Deutschlands sind. Der Stadtstaat Hamburg ist mit einem Glasfaseranteil von 68 Prozent führend in der nationalen Statistik. Diese Zahlen entstammen den neuesten Daten des Bundesbreitbandatlas.
Die exzellente Glasfaserversorgung im Norden Deutschlands hat mehrere Ursachen. Schleswig-Holstein hat frühzeitig das Ziel einer Vollversorgung aller Haushalte verfolgt und die regionale Zusammenarbeit über ein Breitband-Kompetenzzentrum organisiert. Das Bundesland hat sich klar für Glasfaser entschieden und auf technikoffene Gigabit-Zielsetzungen verzichtet, ähnlich wie das Modell in Dänemark. Zudem erleichtern die weitläufigen, flachen Landstriche den Ausbau, da sie weniger topografische Hindernisse aufweisen als gebirgige Regionen.
Hervorragende Bewertung für Kreise im nördlichen Deutschland
In Schleswig-Holstein sind die kleinen Dörfer in den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Schleswig-Flensburg am besten mit Glasfaser versorgt. In Niedersachsen führen die Landkreise Lüchow-Dannenberg und Lüneburg mit den meisten 100-prozentig versorgten kleinen Dörfern.
Laut Breitbandatlas verfügen sieben deutsche Flächenländer über kein einziges Dorf, das vollständig mit Glasfaser versorgt ist. Aufgrund der föderalen Struktur Deutschlands ist die Datenlage jedoch nicht eindeutig, da die Länder ihre Gemeinde- und Dorfstrukturen unterschiedlich organisieren: In einigen Bundesländern gelten kleine Dörfer als eigenständige Gemeinden, während sie in anderen eingemeindet sind. Deshalb haben wir auch die Kreise mit der höchsten Versorgung betrachtet – viele davon liegen im Norden bzw. Nordwesten Deutschlands.
Die höchsten Abdeckungsraten haben die niedersächsischen Landkreise Lüchow-Dannenberg und Grafschaft Bentheim mit 99 bzw. 92 Prozent. Auf sie folgen die Kreise Dithmarschen und Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein mit 89 bzw. 86 Prozent. Auch zwei Kreise aus Nordrhein-Westfalen, Coesfeld und Steinfurt mit jeweils 81 Prozent Abdeckung, gehören zu den Top Ten. Alle Kreise mit einer Glasfaserabdeckung über 70 Prozent befinden sich in den oben genannten Bundesländern.
Glasfasernetz im ländlichen Raum: Nur langsame Verbesserungen beim Ausbau
Auch wenn es bereits einige vollversorgte Gemeinden in ländlichen Regionen gibt, bleibt die Tendenz bestehen, dass der Glasfaserausbau überwiegend auf städtische Ballungsräume fokussiert ist. Viele Anschlüsse sind nach wie vor in Metropolregionen verfügbar, während der ländliche Raum hinterherhinkt und einen großen Bedarf an schnellerer Internetverbindung hat. Die von uns ermittelten 190 ‚Glasfaser-Dörfer‘ machen weniger als drei Prozent aller kleinen Gemeinden aus.
Nachdem der Ausbau jahrelang ins Stocken geraten war, nimmt der aufwändige Glasfaserausbau nun endlich Fahrt auf. Teilweise werden von mehreren Anbietern gleichzeitig Netze in denselben Gebieten aufgebaut. Dieser parallele Netzausbau, auch als Überbau bekannt, wird von der Bundesnetzagentur jetzt genauer unter die Lupe genommen.
DSL-Abschaltung im Zuge der Glasfaser-Umstellung: Fast die Hälfte der Befragten ist dafür
In Deutschland steht in den nächsten Jahren die vollständige Abschaltung des DSL-Netzes zugunsten von Glasfaser bevor. Seit Februar 2024 laufen dazu drei Pilotprojekte. Eine repräsentative Umfrage hat gezeigt, dass 46 Prozent der Deutschen diese geplante DSL-Abschaltung unterstützen.
Die Umstellung von Kupfer- auf Glasfasernetze muss sorgfältig begleitet werden, damit Verbraucher keine Angst vor Preiserhöhungen haben müssen. Viele Menschen kennen die Vorteile eines Glasfaseranschlusses noch nicht ausreichend: Es ist weitgehend unbekannt, dass Glasfaser nicht automatisch 1000 Mbit/s bedeutet und daher auch kostengünstigere Tarife möglich sind. Immer öfter werden Glasfaser- und DSL-Tarife zu ähnlichen Preisen angeboten, wobei Glasfaser in einigen Fällen sogar günstiger ist.